So, falls es noch irgendjemanden da drüben im schönen Deutschland gibt, der aus welchen Gründen auch immer, die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat und ab und zu noch in meinem Blog schaut, nur um dann wieder einmal festzustellen, dass ich nichts Neues geschrieben habe, dann ist dieser Eintrag nun genau für diese Person!
Ich muss zugeben, es musste soweit kommen, dass wir keine Internetverbindung mehr haben, damit ich meine Zeit mal wieder für einen Blog-Eintrag opfere. Aber gut, wenigstens kann ich so am Ende sagen, dass ich doch irgendwie bis zum Schluss durchgehalten habe, auch wenn ich es mit dem regelmäßigen Schreiben jetzt nicht soo genau genommen habe…
Nunja, es hätte ja schon genug Gründe gegeben, um früher etwas zu schreiben, wie zum Beispiel meinen zweiten großen Au Pair-Tag, das Wombats Konzert, auf dem ich war, oder die beiden Besucher-Gruppen. Das jetzt im Nachhinein alles nochmal lang und breit zu erzählen, wäre erstens im Nachhinein nur noch halb so interessant und zweitens bin ich dazu auch zu schreibfaul. Und drittens: alles Schnee von Gestern!
Werfen wir doch mal lieber einen Blick auf das Heute!
Heute ist der 5. April 2011 und wir stecken hier mitten in unserem Umzug. Letzten Freitag ist erstmal die Großmutter aus Atlanta eingetroffen, dieses mal die Mutter von meinem hostdad, so damit ich auch wirklich alle Seiten der Verwandtschaft kennen lerne. Grandma Jean ist äußerst nett und seeehr in ihre Enkelkinder verliebt, sie war keinen einzigen Tag in London, ihr einziger Wunsch ist, bei den Kids zu sein und uns zu Hause ein bisschen zu helfen. Gefällt mir persönlich schon mal sehr gut, bedeutet ja weniger Arbeit für mich. Vorbereitet auf unseren Umzug haben wir uns überhaupt nicht. Der normale Alltag hier ist ja viiieel zu stressig hier. Und am Anfang hatte sich meine hostmum mal überlegt, vielleicht ein paar von den fünfzigtausend Spielsachen auszusortieren oder durch die Kleiderschränke der Kinder zu gehen, aber na ja, sie ist halt immer so busy…
Das Thema Packen hat sich praktisch auch von selbst erledigt, weil das unsere Umzugsfirma für uns macht. Naja, irgendwie wusste keiner so wirklich, was genau das jetzt bedeutet, deshalb haben wir sicherheitshalber mal wirklich nichts aufgeräumt oder geordnet, ich mein, wenn schon, denn schon. Die werden ja schließlich dafür bezahlt. Wir haben uns dann aber darauf geeinigt, dass ich meine Sachen schon selber zusammenpacke und die Movers nur meine Möbel übernehmen. Rein theoretisch müssten meine ganzen Sachen ja auch in meine Koffer passen und das jetzt wäre nur eine Generalprobe für das Packen vor dem Heimfliegen. In der Praxis sah das alles aber sehr anders aus. Gestern hab ich erst mal 30 kg von einem Paketdienst abholen lassen, die das nach Deutschland bringen (ich kann nur hoffen, dass es auch wirklich ankommt). Dann hab ich den Rest hier mal versucht in große Taschen zu Packen. Es ist dann so ausgegangen, dass mein ganzes Zimmer voller Taschen war und die Umzugsfirma heute dann doch alles für mich gepackt hat. Schade, kann wohl nicht mehr nach Hause kommen, wären einfach zu viele Gepäckstücke…
Seit dem Wochenende ist Sadie jetzt richtig krank. Natürlich eine schöne Mischung: krankes Kind + Umzug. Vor allem weil die arme einfach alles hat. Fieber, Schüttelfrost, Schnupfen, Halsweh, Essen kann sie auch nicht drin behalten… Ein rieten Spaß also. In der ersten Nacht musste meine hostmum jede Stunde aufstehn und ihre Temperatur messen und in der zweiten Nacht musste Sadie dann ein Eisbad nehmen, weil sie so hohes Fieber hatte und natürlich hat sie da die ganze Nachbarschaft zusammengeschrieen (versteh ich gar nicht, so ein erfrischendes Mitternachtsbad in Eiswürfeln ist doch fein!).
Heute war dann der große Tag und die Movers sind gekommen. Und ich muss sagen: gut, dass wir vorher nix gemacht haben, die haben das voll drauf. Zu dritt sind die gekommen, und zur Mittagspause waren sie schon fast fertig. Abnormal wie schnell die alles gepackt haben und sich nebenher totgelacht haben, dass wir so viele Spielsachen, Kleider für die Kinder und Essensvorräte haben. Auf jeden Fall haben wir jetzt ein leeres Haus, nur noch die Möbel sind da. Es war aber schon entspannend, dass wir Kaffee trinken und Mittagsschlaf machen konnten, während die um uns rum alles für uns gepackt haben. So stell ich mir das vor, mit dem Umziehen.
Nun zum neuen Haus. Das hab ich vor zwei Stunden zum ersten Mal gesehn. Also von innen. Von außen kannte ich es schon. Und ich bin äußerst zufrieden. Es ist nicht ganz so „fancy“ wie das alte, aber sehr hell und freundlich und „heimelig“. Die Lage ist ja sowieso unschlagbar, aber ich bin auch mit meinem Zimmer sehr zufrieden, ist sogar größer als das hier und neuer Teppichboden drin und frisch gestrichen. Besonders gefällt mir, dass ich direkt neben Wohnzimmer & Küche bin, im Erdgeschoss und alle anderen ihre Zimmer oben haben, also hab ich ein bisschen Abstand von den Kindern, es fällt nicht so auf, wann & wie ich heimkomme und ich hab immer noch mein eigenes Bad. Eins A!
Das schwierige an diesem Umzug ist, dass wir das Haus hier teilweise möbliert gemietet hatten, es ist sogar so, dass ein Glas uns gehört, das nächste gehört zum Haus. Deshalb müssen wir jetzt ziemlich viele Sachen neu kaufen, zum Beispiel Töpfe oder ein Bügeleisen. Aber auch Betten und Kleiderschränke. Aber wie meine family halt so ist, haben sie das HEUTE geregelt, dass sie morgen vielleicht Betten geliefert bekommen (morgen schlafen wir die erste Nacht im neuen Haus)… Kleiderschränke haben wir auch noch keine, aber was macht das schon – der überdimensionale Fernseher steht nämlich schon an seinem Platz! Das wichtigste ist da. Wobei, es kommen harte Zeiten auf uns zu. Ich bin gespannt auf die Umstellung von 5 Fernsehern auf einen. Heute wurde schon angefangen über einen nächsten Fernseher-Kauf zu diskutieren. Vielleicht auch sinnvoll, denn wir alle wissen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Situation ergibt, dass William Micky Mouse sehen will, Sully Playstation spielen will, meine hostmum American Idol schauen, Sadie aber lieber einen Barbie-Film sehen will und Chloe nicht weiß, wo sie ihre Wii anschließen soll. Und was dann? Ich kann und will es mir gar nicht ausmalen. Da kommt noch was auf uns zu…
Zu all der Aufregung – das ist es wirklich, die kids sind alle total „out of order“, als ob ein Wettbewerb läuft, wer mehr heulen kann – hat die Oma aus Amerika heute auch noch 70. Geburtstag. Die Arme, die ganze Zeit musste sie zwischen kranken oder weinenden Kindern und gepackten Kisten sitzen… Aber sie hat sich gut geschlagen.
Nun bin ich mal gespannt, wie das morgen wird. Mal schaun, ob wir tatsächlich schon im neuen Haus schlafen können. Grad eben haben wir bemerkt, dass die Movers alle Schuluniformen gepackt haben, obwohl wir eigentlich welche zur Seite gelegt hatten, na ja müssen sie halt mal normal in die Schule gehen, is doch eh viel cooler!
Jetzt geh ich also zum letzten Mal in meinem schönen Zimmerchen hier schlafen, das Haus hier hab ich ja schon sehr gemocht, aber was bin ich froh, dass ich nie mehr durch den Wald zum Zug laufen muss und hier in the middle of nowhere leben muss. Ich sag nur: ab in die Stadt! :)